Service-Serie Teil 7: Trafomann durch und durch

2011-01-24 - Service wird immer wichtiger. In einer Feature-Story-Serie stellen wir ABB-Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen vor, die im Service tätig sind. Im siebten Teil berichtet Matthias Steiger von ABB in Halle aus seinem Arbeitsalltag.

Im Frühherbst hieß es für Matthias Steiger mal wieder „ab in den Osten“, diesmal an den Persischen Golf. In einer Aluminiumschmelze waren bei einem Dutzend Großtransformatoren ungewöhnliche Vibrationen aufgetreten, die er zusammen mit einem Kollegen beheben sollte.

Es war nicht seine erste Reise in diese Region und auch nicht die erste nach Asien. Erst wenige Monate zuvor hatte er eine Woche lang in China zu tun. Matthias Steiger arbeitet im Service bei ABB in Halle und ist etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit unterwegs – irgendwo in Deutschland, irgendwo in Europa, irgendwo auf dieser Welt. Überall dort, wo es an großen Transformatoren etwas zu prüfen, zu testen, zu überholen, zu reparieren gilt.


Mit den mobilen Prüffeldern können Matthias Steiger und seine Kollegen den Trafo-Service vor Ort durchführen.

Seine spannendste und längste, wenn auch nicht seine weiteste Reise machte er vor 21 Jahren, unmittelbar nach der Wende. Für den frisch gebackenen Elektromaschinenmonteur hieß es damals „ab in den Westen.“ Steiger, heute 40, hatte gerade seine Lehre bei der VEM Vereinigte Elektromotorenwerke beendet, in seiner Heimatstadt Bitterfeld, mitten im damaligen Zentrum der DDR-Chemieindustrie. Er wollte weg, sich von zuhause abnabeln, auf eigenen Füßen stehen. „Mit zwei Reisetaschen bin ich damals losgezogen“, blickt er heute zurück. „Das war ein ziemliches Abenteuer, aber auch eine gute Schule.“

Von Ost nach West, von West nach Ost

Den19-Jährigen zog es zu Bekannten ins sauerländische Brilon. Dass es dort eine Firma namens ABB gab, die Transformatoren baute und just zu diesem Zeitpunkt Mitarbeiter wie ihn suchte, das wusste er bei seiner Abfahrt noch nicht.

„Ich arbeite im Service…

... weil es einen derart abwechslungsreichen Arbeitsplatz bei ABB wohl kein zweites Mal gibt.“

Matthias Steiger,
ABB Halle

Zehn Jahre arbeitete er in der Trafofabrik, zunächst in der Montage von Resibloc- und Öltransformatoren, später im Prüffeld. Irgendwann gab es in Brilon weniger, im ABB-Transformatorenwerk in Bad Honnef dagegen mehr zu tun. „Man muss dahin gehen, wo die Arbeit ist“, sagte er sich auch dieses Mal und zog für die nächsten sechs Jahre von der Möhne an den Rhein. Dort machte er in der Abendschule auch seinen Techniker.

1990, bei Steigers ABB-Einstieg, hatte Kommissar Zufall Pate gestanden. 2005 klopfte er erneut an seine Tür. Ob er nicht Lust hätte, zurück in seine alte Heimat nach Sachsen-Anhalt zu gehen, wurde er gefragt. In Halle, nur eine halbe Autostunde von Bitterfeld entfernt, wollte ABB ein Kompetenzzentrum für einen umfassenden Trafoservice aufbauen. Geprüft, gewartet und instandgesetzt werden sollten nicht nur Trafos „made by ABB“, sondern auch Geräte anderer Hersteller. Und zwar wenn möglich direkt dort, wo der Trafo aufgestellt ist – mit Hilfe eines mobilen Prüffelds.

Mit dem Prüfcontainer weltweit führend

Und ob er Lust hatte! In Halle war er mitverantwortlich für den Bau der mobilen Prüffelder, deren geballte Technik in einem 40-Fuß-Container untergebracht ist. „Der Markt ist hart umkämpft, da kann man sich mit neuen und verbesserten Messmethoden durchaus einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen“, meint Steiger. Egal ob bei einem kleinen 630 kVA Trafo oder einem großen 1.600 MVA Trafo: das mobile Prüffeld wird überall dort eingesetzt, wo man vor Ort etwas über die inneren Befindlichkeiten des Spannungswandlers erfahren möchte – nach Reparaturen beispielsweise oder wenn er irgendwelche „Auffälligkeiten“ zeigt. Transformatoren können 30, 40, manchmal sogar 50 Jahre alt werden, in solch einer langen Zeit ist hin und wieder mal ein Service fällig. „Mit unserem mobilen Prüfsystem sind wir weltweit führend“, erklärt Steiger. Mittlerweile sind vier solcher Container im Einsatz – nicht nur in Deutschland, auch in Nordamerika, Thailand und Brasilien.

Matthias Steiger prüft Trafos auf der ganzen Welt.
Steiger und acht weitere Kollegen prüfen Trafos in Kraftwerken, bei Stadtwerken, in Walzwerken, Schmelzen und Chemiebetrieben. Hauptsächlich ist er in Deutschland unterwegs, regelmäßig auch in den Beneluxstaaten, im vergangenen Jahr auch in Frankreich und in Spanien. Einsätze wie der am Golf oder in China sind die Ausnahme – aber auch nie ganz auszuschließen. „Letzte Woche erst hat sich ein Kollege von einem Tag auf den anderen in den Flieger gesetzt und ist zu einem Einsatz in einer Platinmine für wenige Tage nach Südafrika geflogen“, berichtet der Servicemann. Schnelligkeit und Flexibilität seien eben Trumpf im Service- beziehungsweise Dienstleistungsgeschäft. „Und Dienstleistung bedeutet eben ‚dienen’ und ‚leisten’“, sieht er es ganz pragmatisch.

Service auch über das Netz

Etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit ist er „zu Hause“ in Halle: um seine Einsätze und die seiner Kollegen zu koordinieren, um die Prüfcontainer weiter zu entwickeln oder sich um das Thema „Service via Internet“ zu kümmern. Schon heute lässt sich über das Netz feststellen, in welchem Umfang welche Gase im Transformatorenöl gelöst sind. „Einen derart abwechslungsreichen Arbeitsplatz gibt es bei ABB wohl kein zweites Mal“, stellt Steiger zufrieden fest. „Koordinieren, planen, weiterentwickeln, im In- und Ausland unterwegs sein, selbst Hand anlegen – diese Mischung hat einfach was.“ Da nimmt er es gerne mal in Kauf, dass er auch schon mal im Hochsommer am Persischen Golf stundenlang im Freien arbeiten musste – bei 50 Grad im Schatten.

Ein Händchen für die Technik zu haben sei aber nur die eine Seite, mit Menschen umgehen zu können die andere. „Man muss zuhören können, reden können, aber auch manchmal den Mund halten und einstecken können, wenn etwas aus dem Kunden herausbricht“, hat er gelernt. In keinem Falle dürfe man den guten Ruf von ABB dem Kunden gegenüber in Mitleidenschaft ziehen. Service sei auch kein Einzelsport, sondern funktioniere nur im Zusammenspiel mit den Auftraggebern und auch mit den eigenen Kollegen. Bei umfangreichen Prüfungen sind sie oft zu zweit, manchmal auch zu dritt unterwegs, im Ausland oft auch zusammen mit Kollegen aus den Landesgesellschaften.

Viel hat sich verändert, seit er vor 21 Jahren bei ABB in Brilon angefangen hat. Das Mountainbike, mit dem der damals regelmäßig über die Hügel des Sauerlands gestrampelt ist, steht heute die meiste Zeit unbenutzt im Keller. Matthias Steiger ist verheiratet, hat in seiner Heimatstadt Bitterfeld ein Haus gebaut und wird nach seinem Feierabend von vierjährigen Zwillingsbuben sowie seit September einem kleinen Töchterchen in Beschlag genommen. Auch wenn dies anstrengend erscheinen mag, „aber das ist meine Entspannung.“ Seine Söhne seien übrigens „technisch ziemlich begabt, die können schon mit dem Akkuschrauber umgehen.“

      • Twitter
      • Facebook
      • LinkedIn
      • Weibo
      • Drucken
      • E-Mail
    Matthias Steiger
    seitp202 2a85386f40b5fc43c125781c004a2da8