Studenten lernen ABB in der Praxis kennen

2011-01-12 - Ein neuer Teststand an der Technischen Universität Darmstadt (TU) ist komplett mit ABB-Produkten ausgestattet. Ab diesem Jahr werden daran alle Elektrotechnikstudenten im Hauptstudium praktische Versuche machen und so Marke und Produkte kennenlernen.

Im Interview erklären Dipl.-Ing. Lutz Steiner, Fachgebiet Regenerative Energien der TU, und Bernd Jung von der ABB Stotz-Kontakt / Striebel & John Vertriebsgesellschaft, die Einzigartigkeit des gemeinsamen Projekts.

Herr Steiner, wie kam es zu dem Projekt?

Lutz Steiner: Der Teststand resultiert in weiten Teilen aus der Zusammenarbeit der TU und ABB beim Solar Decathlon 2009. Mit dem Plus-Energie-Haus, das komplett mit ABB-Technik ausgestattet ist, haben wir den renommierten Wettbewerb in Washington D.C. gewinnen können. Mittlerweile steht das Haus zwar hier in Darmstadt, wird aber vielseitig verwendet und ist nicht immer zugänglich. Mit dem Teststand haben wir quasi die Technik des Hauses nachgebildet, nur eben ohne das Haus drumherum. Zudem haben wir im Solarhaus ein sehr gutes Konzept für die Gebäudesteuerung entwickelt und umgesetzt. Wir wollen jetzt da weiter machen, wo wir aufgehört haben. Der Teststand bietet uns diese Möglichkeit, insbesondere da dieser auch mit der Photovoltaikanlage auf unserem Gebäude vernetzt wird.



Ihre Spezialgebiete sind Lastmanagement und Smart Grids. Wie spiegeln sich diese in der Funktion des Teststands wieder?

Steiner: Wir vom Lehrstuhl und unsere Studenten haben sehr viel beim Bau des Plus-Energie-Hauses gelernt, bei dem wir bereits eine Gebäudesteuerung implementiert haben, die Lastmanagement ermöglicht. Wir haben dabei natürlich die Probleme kennengelernt und haben auch neue Ideen, wo wir noch optimieren können. Dieses Wissen wollen wir nun an unsere Studenten weitergeben und in die Lehre einbringen. Wir haben an den Teststand neben der Photovoltaikanlage auch intelligente Haushaltsgeräte und sogar eine Stromtankstelle angeschlossen. Damit decken wir alle Themen von der Erzeugung, Messung und Steuerung der Energie ab und haben mit der Tankstelle sogar Elektromobilität auf dem Plan. So haben wir mehr Freiheitsgrade als im Haus selbst und das Projekt bekommt größeren Forschungscharakter – wir haben bereits erste Versuche zur Lastanpassung vorgenommen.

Bernd Jung: Was sich auch vom Solarhaus, das ja schon über ein Jahr alt ist, unterscheidet, sind die Produkte. Hier kann die TU jetzt auf neue, weiterentwickelte Produkte wie beispielsweise den Energieaktor oder das Multi Utility Gateway zurückgreifen. So lernen auch die Studenten gleich die neueste Technik im Bereich Smart Homes kennen.

Was genau erforschen Sie und Ihre Studenten am Teststand?

Steiner: Für den Teststand werden wir Lastanpassungsalgorithmen entwickeln, die auf kommerziell existierender Hardware - im wesentlichen KNX - sowie speicherprogrammierbaren Steuerungen umgesetzt werden kann. Uns ist sehr wichtig, dass wir eine Lastmanagementlösung entwickeln, ohne gleich das Rad neu zu erfinden. Hierfür braucht man robuste Lösungen und kommerziell erprobte Hardware und keine Versuchshardware. Unsere Arbeit mit dem Teststand wird daher darin bestehen, Energieerzeugung und -verbrauch sowie Elektromobilität zu vernetzten und entsprechend so zu steuern, dass eine Teilnahme am Smart Grid möglich ist. Für die Lastanpassung wird auch der neuartige EEBus Ansatz eingesetzt, der ja von der ABB-Tochter Busch Jaeger unterstützt wird.

Und wie genau sieht die Arbeit der Studenten am Teststand in der Praxis aus?

Steiner: In den Bereichen Elektrotechnik und Informationstechnik werden die Studenten im Hauptstudium acht Versuche machen müssen. Einer von diesen findet am ABB-Teststand statt. In Dreiergruppen haben sie hier die Aufgabe, die Elektroinstallation eines intelligenten Hauses abzubilden. So lernen sie gut die Schnittstellen zwischen den intelligenten Netzen, den Smart Grids, und Gebäuden, den Smart Homes, kennen. Unser Ziel ist es natürlich, die Studierenden mit realen Produktpaletten in Verbindung zu bringen. Der Schritt von Theorie zur Praxis ist an einer Universität nicht immer einfach. Das war auch eine große Herausforderung im Solarhauswettbewerb für die teilnehmenden Studenten. Ein Ingenieurstudent weiß nicht unbedingt, was beispielsweise ein FI-Fehlerstromschutzschalter ist. Mit unserem Teststand wollen wir diese Lücke schließen, und die Studenten durch Praxisversuche am Teststand lernen lassen. Zudem werden sie die Möglichkeit haben, Studien- sowie Diplomarbeiten am Teststand durchzuführen. Dann werden sie entsprechende Smart-Home- oder Lastmanagement-Problematiken bearbeiten.

Jung: Für uns ist genau das sehr wichtig und wir freuen uns, dass die Studenten auf diesem Weg aktiv und praxisnah die Marke ABB und unsere Produkte kennenlernen. Die TU haben wir ja bereits beim Bau des Energie-Plus-Hauses vom Portfolio der Marken ABB Stotz-Kontakt, Busch-Jaeger Elektro und Striebel & John überzeugen können. Und genau wie damals hat ABB auch dieses Mal den Teststand nicht gesponsert, die Produkte hat die TU erworben, weil sie davon überzeugt ist.

Plus-Energie-Haus und der Solar Decathlon
Der Solar Decathlon („Solarer Zehnkampf“) ist ein architektonischer und energietechnischer Wettbewerb des US-Ministeriums für Energie. Er findet alle zwei Jahre auf der National Mall in Washington D.C., zwischen Lincoln Denkmal, Weißem Haus und Capitol, statt. Er hat das Ziel, ein energieautarkes Gebäude für das Wohnen im Jahr 2015 zu entwerfen. Die Häuser dürfen ihren Energiebedarf nur über selbst produzierten Solarstrom decken. Die TU Darmstadt hat den Wettbewerb 2009 mit ihrem Plus-Energie-Haus "surPLUShome" gewonnen, das komplett mit ABB-Technik ausgestattet ist. Mehr Infos zu ABB und dem Plus-Energie-Haus finden Sie hier.

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