19.01.2009 - Metalle, Öl, Gas, Kohle – viele Ressourcen sind knapp und teuer. ABB-Technologien tragen zu einer effizienten und wirtschaftlichen Gewinnung und Nutzung von Rohstoffen bei
Knapp zwei Jahrtausende ist es her, dass ein Metallschürfer des alten Römischen Reichs mit ein paar Stücken aus dem heute sogenannten Bauxit gewonnenem, silberähnlichem Metall vor Kaiser Tiberius trat. Tiberius fragte: „Kennt jemand ausser dir diese Erfindung?“ – „Niemand“, soll der Mann stolz geantwortet haben. Der Kaiser liess daraufhin das Metall, das man heute Aluminium nennt, verschwinden und dessen Entdecker enthaupten. Zu gross erschien Tiberius die Gefahr, das Metall könne den Preis für das damals begehrte kaiserliche Silber purzeln lassen. In unseren Tagen gehört Aluminium zu den am meisten gefragten Metallen.
Der Bedarf hat sich seit 1950 verzwanzigfacht, Tendenz steigend. Aluminium findet sich in Industrieanlagen, Gebäuden, Automobilen und Gebrauchsgegenständen aller Art wie etwa Notebooks. Bei der Herstellung von Produkten werden häufig riesige Mengen Rohstoffe gebraucht. Rechnet man den Abraum bei der Herstellung der erforderlichen Materialmengen ein, werden zum Beispiel für ein 4 kg schweres Notebook insgesamt 434 kg Rohstoffe benötigt.
Über und unter der Erde, wie hier in Australien, sucht der Mensch nach Rohstoffen, der Basis industrieller Fertigung.
Preis steigt trotz grösserer Fördermenge
Einer der wichtigsten Werkstoffe ist Stahl. China hat seine Stahlproduktion in den vergangenen sieben Jahren mehr als verdreifacht und liefert ein Drittel des Weltmarktbedarfs. Zu den Topsellern auf dem Rohmetallmarkt gehören Kupfer, dessen Fördervolumen sich seit 1950 versechsfacht hat, und Nickel mit einer zehnfachen Produktionssteigerung. Dennoch wurden Kupfer und Zink seit 2002 um 400 % teurer, Nickel gar um 750 %. Erst mit der weltweiten Finanzkrise im Herbst 2008 brachen die Preise ein.
Experten erklären die Preisschwankungen mit Zyklen, die – abhängig von Angebot und Nachfrage – in bestimmten Abständen wiederkehren. „Normalerweise dauert ein solcher Zyklus etwa drei Jahre“, so Dr. Peter Buchholz von der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, „die Preise haben sich dabei in früheren Zyklen teilweise verdoppelt.“ Doch nun, so Buchholz, befinden wir uns in einem sogenannten Superzyklus: „Seit 2003 stiegen die Preise über eine lange Phase von fünf Jahren – und zwar teilweise um das Fünf- bis Achtfache.“ Der Grund dafür sei vor allem, dass die Bergbauproduktion der gestiegenen Nachfrage nicht schnell genug hinterherkam.
Bis neue Projekte umgesetzt werden, vergehen in der Regel fünf bis zehn Jahre. Wahrscheinlich bedeute der durch die Finanzkrise bedingte Preisrückgang nur eine Atempause, die Nachfrage werde langfristig wieder steigen. Wettbewerbsverzerrungen, etwa durch Exportbeschränkungen rohstoffreicher Länder, und Börsenspekulationen haben die Preise ebenfalls in die Höhe getrieben. Hinzu kommt die fälschliche Annahme, die Erzvorräte könnten sich allmählich dem Ende zuneigen. Laut der Bundesanstalt werden laufend neue Vorkommen entdeckt und entwickelt, dadurch verlängert sich automatisch auch die Reichweite für die Rohstoffe.
Gigantische Kraftprotze: Getriebelose Mühlenantriebssysteme Die Giganten bestehen aus einer grossen zylindrischen Trommel mit einem Durchmesser von bis zu 12 m, die Mineralerz in kleine Stücke mahlt. Eine typische Drehmühle entwickelt eine Mahlkapazität von mehreren 1.000 t Erz pro Stunde.
Ein Beispiel: Mit Unterstützung von ABB wird derzeit in Neukaledonien eine der grössten und ergiebigsten Nickelreserven der Welt erschlossen, die ab 2011 vom Schweizer Minenbetreiber Xstrata Nickel gefördert wird. ABB Australien liefert zahlreiche Komponenten für die gigantische Anlage, darunter das Prozessleitsystem 800xA. Auch ABB in Deutschland beteiligt sich aktiv an den bereits angelaufenen Vorbereitungen – in Partnerschaft mit dem Essener Anlagenbauer Küttner.
„Weltweit gehören die grössten Minengesellschaften zu unseren Kunden“, so der Leiter der Local Business Unit Minerals & Printing, Bernhard Schupp. Auch aus der Braunkohleförderung ist ABB nicht wegzudenken: So arbeitet das Center of Excellence Open Pit Mining von ABB Cottbus für die Tagebaustandorte von Vattenfall in der ostdeutschen Lausitz.
Lösungen für die Anwendung weltweit
Aktuell geht es unter anderem um die Migration von Leittechnik, die Elektrotechnik und Automatisierung der Abraumförderbrücke Reichwalde, die elektrische Rekonstruktion eines Absetzers sowie um Massnahmen zur Leistungserhöhung einer Bandanlage, die vor Kurzem erfolgreich abgeschlossen wurden. „Bei Vattenfall erproben wir neue Lösungen, die dann weltweit Anwendung finden“, so Peter Mühlbach, Leiter des Center of Excellence Open Pit Mining. Zudem erbringt ABB für Vattenfall laufend Serviceleistungen mit Rufbereitschaft, Störungsbehebung, Wartung und Ersatzteilbereitstellung.
In Chile rüstete ABB Kupfertagebaue mit Automatisierungs- und Elektrotechnik aus.
Was für die Reichweite von Metallen gilt, gilt gleichermassen für Ressourcen wie Kohle: Zwar seien die bekannten Vorräte innerhalb der kommenden 200 Jahre erschöpft. Bei Gas sind es nur 60 und bei Öl 40 Jahre. Doch die meisten Experten sind sich einig: Für alle wichtigen Rohstoffe reichen die Vorkommen noch viel länger – sie müssten nur erschlossen werden. „Eine Frage der Rentabilität“, so Buchholz. Nur eine hohe Nachfrage lasse es zu, grössere Investitionen für die Erschliessung neuer Vorkommen zu tätigen.
Mit erneut steigenden Weltmarktpreisen könnte auch die weitgehend aufgegebene Metallgewinnung in rohstoffarmen Ländern wie Deutschland wieder attraktiv werden. Doch selbst für den Fall einer solchen Wiederbelebung wird der Preisdruck sowohl auf die fördernde als auch auf die verarbeitende Industrie weiter steigen. Die Lösung: Ressourcen schonend fördern, effizient verarbeiten – und, wo möglich, recyceln. So lassen sich allein bei der Wiedergewinnung von Aluminium 90 % Energiekosten sparen.